Kosten & Nutzen
Wie wird der KI-Nutzen sinnvoll und effektiv gemessen?
von Dennis Fischer
Viele Unternehmen fragen sich, wie sie den KI-Wertbeitrag in ihrer Organisation messen können. Klassische, generische KPIs greifen für die Aufgabe zu kurz. Wir zeigen, mit welchen grundlegenden Überlegungen CIOs und CAIOs den KI-Value für sich und ihre Stakeholder ans Licht bringen.
Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr, der Markt wächst ungebremst. Laut unserer Metrics-Umfrage zur IT-Agenda 2026 steigt der Anteil der KI-Ausgaben am IT-Budget in der DACH-Region auf über 5,3 Prozent, ein Zuwachs von gut 80 Prozent. Doch der Wildwuchs ist ein strukturelles Problem: Viele KI-Projekte entstehen dezentral und ungeplant, initiiert von einzelnen Fachbereichen, oft ohne übergreifende Steuerung, abgestimmte Priorisierung, ein gemeinsames Zielbild und vor allem ohne Messung des Nutzens.
Wie wird der Wertbeitrag von KI bestimmt?
Während KI-Budgets fließen und Projekte hochlaufen, bleibt die Frage nach dem tatsächlichen Wertbeitrag von KI in der Praxis häufig unbeantwortet. Woran liegt das, und wie lässt sich das ändern? Unsere etablierte Systematik zur Messung des IT-Wertbeitrags in Kundenprojekten unterscheidet vier Dimensionen. Sie bilden den konzeptionellen Rahmen für ein individuelles Kennzahlen-Framework, das sich auf den KI-Wertbeitrag eines Unternehmens übertragen lässt.
1. KI-Effektivitätsgewinn in Fachbereichen
IT-Systeme unterstützen die Geschäftsprozesse eines Unternehmens, damit Leistungen in höherer Qualität oder mit größerem Kundennutzen erbracht werden. Der Wertbeitrag manifestiert sich primär in einer verbesserten Markt- und Kundenorientierung. Im Kontext von KI-Initiativen lässt sich dieser Effekt beispielsweise anhand der Conversion Rate messen, also dem Anteil der Kundenkontakte, die zu einem erfolgreichen Abschluss führen.
2. KI-Effizienzgewinn in Fachbereichen
Durch die IT-gestützte Optimierung operativer Prozesse lassen sich Leistungen bei gleichem oder höherem Qualitätsniveau mit reduziertem Ressourceneinsatz erbringen. Der Wertbeitrag schlägt sich hier unmittelbar in sinkenden Kosten der Leistungserbringung nieder. Typische KPIs sind die durchschnittliche Bearbeitungszeit je Vorgang oder der Automatisierungsgrad, also der Anteil der Prozessschritte ohne manuellen Eingriff.
3. KI-Effizienzsteigerung in der IT
Automatisierung, Konsolidierung oder Standardisierung im IT-Betrieb ermöglichen es, qualitativ gleichwertige Leistungen zu geringeren Kosten bereitzustellen. Der Wertbeitrag wirkt hier auf die IT-eigene Kostenbasis. Relevante Kennzahlen sind etwa der IT-Aufwand (in Stunden oder FTE) je definiertem Service-Request sowie der Anteil durch KI-Automatisierung behobener Incidents.
4. Sonstige positive KI-Effekte
Einige IT-Systeme unterstützen strategische Unternehmensziele ohne direkten monetären Bezug, etwa für die Mitarbeiterzufriedenheit, Informationssicherheit oder regulatorische Compliance. Geeignete KPIs sind unter anderem der Mitarbeiter-Zufriedenheitsindex im Umgang mit KI-gestützten Arbeitsmitteln oder die Anzahl identifizierter und automatisch abgewehrter Sicherheitsvorfälle.
Wie können KI-Kennzahlen strategisch abgeleitet werden?
KI-Systeme wirken selten eindimensional: Eine KI im Kundenservice etwa kann gleichzeitig die Qualität der Kundeninteraktionen steigern, Bearbeitungszeiten reduzieren und mitunter auch die Mitarbeiterzufriedenheit positiv beeinflussen. Die Multidimensionalität macht eine strukturierte Messung des KI-Wertbeitrags anspruchsvoll: Was sind die jeweils „richtigen“ Kennzahlen? Ein universelles Standard-KPI-Set für KI-Initiativen existiert nicht und wäre auch nicht zielführend. Stattdessen erfordert jede KI-Initiative eine bewusste Definition, welche Unternehmensziele konkret adressiert werden und welche Kennzahlen diesen Zielbeitrag steuerungsrelevant abbilden.
Dort, wo KI zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, zur Erschließung neuer Geschäftsfelder oder zur Differenzierung im Wettbewerb eingesetzt wird, greifen klassische Effizienz-KPIs als alleiniger Maßstab zu kurz. Zudem müssen begleitende Kennzahlen erhoben werden, die mögliche Zielkonflikte sichtbar machen. So kann eine KI-Lösung im Service Desk die Erstlösungsquote signifikant steigern, während gleichzeitig die Kundenzufriedenheit sinkt. Erst das Zusammenspiel von primären und begleitenden KPIs liefert ein belastbares und ehrliches Bild des tatsächlichen KI-Wertbeitrags.
So können Sie den KI-Wertbeitrag messbar machen
Für Unternehmen, die den Wertbeitrag ihrer KI-Initiativen strukturiert erfassen wollen, empfehlen wir ein dreistufiges Vorgehen.
1. Die Reflektion bestehender und geplanter KI-Initiativen entlang der vier Dimensionen. Dabei geht es nicht um eine trennscharfe Zuordnung, sondern um ein klares Verständnis dafür, welche Wirkungen angestrebt werden und auf welche Dimensionen die jeweilige Initiative einzahlt. Dies bildet die Grundlage für eine unternehmensweit abgestimmte KI-Steuerung.
2. Die Definition geeigneter KPIs, abgeleitet aus der eigenen Business- und KI-Strategie. Dabei werden Ziel und Wirkung jeder Kennzahl explizit festgehalten. Primäre Kennzahlen, die den angestrebten Wertbeitrag direkt messen, sollten stets mit begleitenden Kennzahlen kombiniert werden, die mögliche Zielkonflikte sichtbar machen.
3. Die konsequente Erfolgsmessung im realen Betrieb. Hier zeigt sich, ob die definierten Zielwerte tatsächlich erreicht werden, und genau hier liegt die eigentliche Herausforderung: KI-Wirkungen entstehen selten isoliert, sondern in Wechselwirkung mit organisatorischen Veränderungen, parallelen Initiativen und sich wandelnden Marktbedingungen.
Die drei Stufen unterstreichen, warum eine bewusste Auswahl der richtigen KPIs von Anfang an entscheidend ist: Nur wer klar für sich selbst definiert, was erreicht werden soll, kann beurteilen, ob das Ziel auch erreicht wurde.
Wer einen Blick über das eigene Dashboard hinaus auf das Big Picture werfen will, kann einen Benchmark-Vergleich starten. Dieser zeigt, welche KPIs von Modellgenauigkeit und Latenz über Fehlerquoten bis hin zum ROI einzelner Use-Cases aktuell genutzt werden und wo die eigenen KI-Initiativen wirklich stehen. So lassen sich blinde Flecken aufdecken, Ziele neu kalibrieren und Investitionen gezielt dorthin lenken, wo Nachholbedarf besteht. Wenn Sie Fragen zum KI-Benchmark oder dem KI-Wertbeitrag haben, kontaktieren Sie mich gerne per E-Mail.
Dennis Fischer
Dennis Fischer ist Senior Consultant bei Metrics und leitet Benchmarking-Projekte, mit denen er Unternehmen dabei unterstützt, ihre IT datengetrieben zu optimieren. Durch die systematische Analyse von Kosten und Leistungen schafft er Transparenz, um fundierte Entscheidungen zu treffen und die IT nachhaltig weiterzuentwickeln.