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Was Rate Cards für IT-Services und Outsourcing leisten

von Karsten Tampier

Die Rate Card ist das zentrale Steuerungsinstrument im Einkauf von IT-Services, das macht sie für Entscheidungen im IT-Sourcing unverzichtbar. Unternehmen sollten den Druck im Markt nutzen, um ihre Rate Cards nachzuverhandeln oder ein professionelles Referenzsystem einzuführen.

 

Seit über 25 Jahren analysieren wir systematisch das Preisniveau typischer Berater-Tagessätze (Daily Rates) im europäischen IT-Markt. Was als zweimalige Momentaufnahme im Jahr begann – IT-Infrastruktur-Skills im ersten Quartal, Anwendungsentwicklung im dritten Quartal – haben wir nun zu einer virtuellen Rate Card zusammengeführt. So bekommen Unternehmen einen umfassenden Überblick über die zentralen IT-Kompetenzbereiche und aktuelle Marktdaten. Unsere Analyse konzentriert sich auf die Tagessätze von IT-Consultants für Infrastruktur und Anwendungsentwicklung und damit auf jene Skills, die in Outsourcing- und Managed-Service-Verträgen am häufigsten nachgefragt werden.

Allerdings sehen wir immer wieder in Beratungsprojekten, dass nicht alle Unternehmen die Beschaffung externer Berater in Outsourcing- und ManagedService-Verträgen konsequent über Rate Cards steuern. Dies führt erfahrungsgemäß zu signifikanten Mehrausgaben, die durch konsequente Rate-Card-Strukturen vermeidbar wären.

Was ist eine Rate Card und warum ist sie unverzichtbar?

Eine Rate Card ist mehr als eine simple Preisliste. Sie ist ein transparentes und strukturiertes Preisverzeichnis, das standardisierte Stunden- oder Tagessätze für klar definierte Leistungen, Rollen und Servicekategorien enthält. Als verbindliches Referenzdokument innerhalb von Service- und Outsourcing-Verträgen regelt die Rate Card, welche Kosten für zusätzliche oder variable Leistungen anfallen, die über den vereinbarten Grundumfang eines Managed-Services hinausgehen. Meistens basiert die Rate Card auf einer Matrix aus:

  • Rollen: (z.B. Software-Entwickler, Projektleiter, Solution Architect)
  • Erfahrungsstufen (Seniorität): (Junior, Professional, Senior, Principal)
  • Skills/Technologien: (Standard-Skills vs. Rare-Skills wie KI-Spezialisten oder SAP-Experten)

 

Welchen Nutzen haben Rate Cards im IT-Sourcing?

Im professionellen Sourcing erfüllen Rate Cards mehrere wichtige Funktionen:

1. Vergleichbarkeit (Benchmarking)

Ohne Rate Card würden Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn Dienstleister A einen „Entwickler“ für 900 Euro pro Tag anbietet und Dienstleister B für 1.200 Euro, zeigt die Rate Card, ob Dienstleister B vielleicht ein höheres Senioritäts-Level (z.B. 10+ Jahre Erfahrung) garantiert.

2. Kostentransparenz & Budgetierung

Für Unternehmen bieten Rate Cards Planungssicherheit. Wenn bekannt ist, dass ein Senior-Berater 1.400 Euro pro Tag kostet, lassen sich Projektbudgets und Zusatzaufwände realistisch kalkulieren sowie nahtlos in ihre Finanzplanung integrieren. Das erhöht die Vorhersagbarkeit der IT-Kosten.

3. Standardisierung im Einkauf

Die Rate Card ist meist ein fester Bestandteil von Rahmenverträgen. Das bedeutet: Fordert die Fachabteilung zusätzlichen Support, spezialisierte Beratung oder Projektarbeit an, muss der Einkauf nicht in Preisverhandlungen gehen. Das beschleunigt Go/No-Go-Entscheidungen und verkürzt die Time-to-Value.

4. Vermeidung von Konflikten

Ohne vorab definierte Tagessätze entstehen erfahrungsgemäß Diskussionen über angemessene Preise, besonders bei unvorhergesehenen Zusatzleistungen. Eine Rate Card schafft von Anfang an Verbindlichkeit und Vertrauen, weil Interpretationsspielräume verringert werden. Feste, transparente Kriterien bilden die Grundlage für eine langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit.

5. Professionalisierung des Vertragswerks

Eine Rate Card ist ein Qualitätsmerkmal reifer Serviceorganisationen. Sie stärkt die Struktur und Klarheit des Gesamtkontrakts und gibt vor allem Kunden Transparenz sowie Schutz vor überhöhten Ad-hoc-Preisen.

 

Frameworks für Rate Cards

Eine Rate Card ist nur so gut wie das Fundament, auf dem sie steht. Um Willkür bei der Preisgestaltung zu vermeiden, greifen wir in der Praxis auf etablierte Frameworks zurück. Das bekannteste Modell ist SFIA (Skills Framework for the Information Age), das IT-Rollen über sieben standardisierte Verantwortungsstufen definiert. Neben SFIA bieten auch Frameworks wie der e-CF (European e-Competence Framework) oder herstellerspezifische Standards (z. B. SAP-Level) eine klare Struktur.

Der entscheidende Nutzen dieser Frameworks liegt in der objektiven Vergleichbarkeit. Sie unterbinden etwa die berüchtigte „Titel-Inflation“ der Provider, indem sie Senioritätsstufen an greifbare Kompetenzen und Erfahrungen statt an vage Rollenbezeichnungen knüpfen. Hier hilft zudem ein regelmäßiger qualitativer Vergleich mit dem Defacto-Marktstandard eines IT-Benchmarkers, um den langfristigen Nutzen einer Rate Card zu gewährleisten: Vergleichbarkeit, Transparenz, Standardisierung und gegenseitiges Vertrauen der Sourcing-Partner. Hinzu kommt eine faire, leistungsgerechte Preisstruktur in den Outsourcing-Verträgen.

Rate Cards müssen regelmäßig aktualisiert werden

In einem dynamischen Marktumfeld sollten Rate Cards mindestens jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Denn eine Rate Card von 2023 ist heute meist hinfällig, da die Inflation und der Fachkräftemangel die Preise getrieben (oder wieder gesenkt) haben. Verankern Sie daher entsprechende Review-Klauseln in Ihren Verträgen. Gerade in Zeiten rückläufiger Preise und zunehmender Sourcing-Optionen verschafft Markttransparenz einen entscheidenden Verhandlungsvorteil.

 

Bei Fragen zu aktuellen Tagessätzen und Rate Cards können Sie sich gerne an mich wenden!

Karsten Tampier

Karsten Tampier

Seit über 25 Jahren im Benchmarking, weiß Karsten Tampier, wie ein fairer Vergleich aussieht. Mit seinem Team ist er bei Metrics für Data Analytics und damit für den Data Lake und die methodische Datenkonsistenz in Kundenprojekten verantwortlich.

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