Markt & Sourcing
Tagessätze für IT-Berater bleiben auch 2025 hoch
von Karsten Tampier
Die Tagessätze für IT-Berater von Providern steigen auch im Jahr 2025. Dies betrifft die IT-Infrastruktur und die Applikationen gleichermaßen. Bleibt die Frage: Wie lassen sich die Tagessätze für IT-Consultants erfolgreich eindämmen?
Trotz des aktuellen Drucks auf den IT-Services-Markt gibt es 2025 keine Entspannung bei den Tagessätzen für Software-Entwickler und Applikationsexperten. Da wir abgeschlossene Verträge mit IT-Dienstleistern in Westeuropa analysieren, handelt es sich hierbei um einen Nachzieheffekt, der die Steigerungen von Gehältern und Preisen im Anschluss an die Corona-Pandemie abbildet. Seit den Erfahrungen aus der Covid-19-Zeit werden zunehmend und konsequent Inflationsklauseln in die Verträge geschrieben, wodurch sich das Preisniveau tendenziell leicht hebt. Das gilt zuallererst für kurzzeitig und kurzfristig abgerufene Leistungen.
Laut unseren Untersuchungen steigen 2025 die Tagessätze für Applikations-Entwickler von IT-Dienstleistern in Westeuropa in der unteren Skillstufe um 5,6 Prozent, in der mittleren Skillstufe (Senior-Entwickler) geht es um 4,8 Prozent hinauf. Lediglich bei erfahrenen Spezialisten fällt der Anstieg etwas kleiner aus. Die Werte liegen deutlich über den Zuwächsen der Tagessätze 2024, die als Folge des wirtschaftlichen Drucks geringer als in den Vorjahren ausgefallen waren.
Tagessätze für Software-Entwickler in der Schweiz
Blickt man nur auf die Schweiz, deren IT-Berater-Tagessätze mit über 2.400 CHF in der höchsten Skillstufe europäische Spitze sind, fällt der Zuwachs von 2024 auf 2025 mit Werten zwischen 2,3 Prozent und 3,6 Prozent geringer aus als im westeuropäischen Durchschnitt. Über die vergangenen fünf Jahre hinweg zeigt sich jedoch eine imposante Marktentwicklung in Europa: So stiegen die Tagessätze in den drei Skillstufen seit 2020 zwischen 19,4 und knapp 25 Prozent an. Die durchschnittlichen Wachstumsraten bezogen auf den Schweizer Markt lagen nur minimal darunter.
Auswertung von laufenden IT-Sourcing-Verträgen
Für die aktuellen Tagessätze von IT-Beratern – in der IT-Infrastruktur und Anwendungsentwicklung – analysiert Metrics eine Vielzahl bestehender IT-Sourcing-Verträge seiner Kunden. Honorare von Freelancern sowie Preise von selbständigen Experten für die Applikationsentwicklung und IT-Infrastruktur haben wir in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.
Tagessätze für IT-Infrastruktur-Berater 2025
Höhere Tagessätze für 2025 hatten sich schon zum Jahreswechsel in den Marktdaten abgezeichnet, damals haben wir sie für Beratungsleistungen im Bereich der IT-Infrastruktur kalkuliert. Allerdings war der Anstieg verglichen mit den Vorjahren relativ überschaubar ausgefallen. Die Daumenregel: Je niedriger das Skill-Level, desto stärker das Wachstum 2025. So werden für Projektmanager, Architekten und Experten mit Spezialkenntnissen für die IT-Infrastruktur im europäischen Durchschnitt lediglich 1,4 Prozent mehr verlangt als 2024. Die Schweiz verzeichnete sogar einen noch etwas geringeren Zuwachs der Tagessätze.
Wohin steuert die Inflation?
In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur das Preisgefüge für IT-Dienstleistungen spürbar verändert – auch die vertraglichen Rahmenbedingungen und die Art, wie Unternehmen und Dienstleister mit Kostenentwicklung umgehen, haben sich grundlegend gewandelt. Ein wesentlicher Treiber für diese Veränderung ist die konsequente Integration der Inflation in langfristige Outsourcing-Vereinbarungen. Große internationale Institutionen wie OECD, IWF und nationale Zentralbanken prognostizieren, dass die Inflationsrate in Westeuropa in Richtung eines Zielwerts von etwa zwei Prozent zurückgehen sollte – vorausgesetzt, es treten keine neuen globalen Schocks auf. Damit ist für die Preisgestaltung der IT-Tagessätze vorerst keine Rückkehr zu alten Preisen zu erwarten.
Standard Rate Cards und Project Rate Cards
Dienstleister halten ihre Spezialisten "auf Abruf" bereit und können binnen kürzester Zeit auf Kundenanfragen reagieren. Diese Bereitschaft zur sofortigen Verfügbarkeit rechtfertigt die höheren Tagessätze, da der Dienstleister das Risiko von Leerläufen und die Kosten der ständigen Verfügbarkeit trägt. Zeichnet sich aber bereits bei Projektstart ab, dass ein Berater viele Monate oder gar Jahre in einem Projekt gebunden ist, sollten sogenannte „Project Rate Cards“ ausgehandelt werden. Dabei erhalten Kunden für die zugesagte Laufzeit und ein festes Volumen attraktive Nachlässe auf die Tagessätze, oft in Form von abgestuften Rabatten oder monatlichen Pauschalpreisen. In der Praxis sind die Project Rate Cards oft auf mittlere bis hohe Volumina ausgelegt – typischerweise ab zehn, zwanzig oder mehr Beratertagen pro Monat
Wie können Berater-Tagessätze reduziert werden?
IT-Führungskräfte sind gefordert, die steigenden Preise für IT-Consultants zu hinterfragen und einzudämmen. Hier gibt es nicht „die eine Lösung“, sondern eine Vielzahl kleiner Stellschrauben. Beispielsweise:
Stärkung der internen Teams
In einem schwachen IT-Arbeitsmarkt (Krise, KI-Druck) steigen die Chancen, Kandidaten von außen zu rekrutieren. Interne Mitarbeitende können geschult und zertifiziert werden, um neue Technologien und Fähigkeiten zu erlernen, die aktuell von Beratern abgedeckt werden. Zudem muss Beraterwissen in Projekten den internen Teams zugute kommen.
Bedarf und Scope genau definieren
Oft entstehen unnötige Kosten durch unklare Projektanforderungen oder einen zu breiten Beratungsauftrag. Detaillierte Anforderungsanalysen und Spezifikationen verringern den Interpretationsspielraum – und zusätzliche externe Leistungen. Verträge, die an klar definierte Meilensteine und Ergebnisse gebunden sind, können ausufernde Tätigkeiten begrenzen.
Verhandlungsstrategien optimieren
Die Verhandlung über Sourcing-Verträge und Tagessätze erfordert eine gute Vorbereitung und Kenntnis des Marktes. Vergleichsangebote, aktuelle Marktpreise, langfristige Rahmenverträge, Fixpreis-Projekte oder Remote- beziehungsweise Nearshore-Experten steigern oft die Effizienz des Consultings.
Technologieeinsatz und Automatisierung
Technische Lösungen können den Bedarf an manueller Beratungsleistung eindämmen, etwa die Automatisierung von Routineaufgaben. Auch die Nutzung von Cloud-Diensten und SaaS reduziert den Bedarf an komplexer Infrastrukturberatung, da Wartung und Betrieb durch den Anbieter erfolgen. Und Low-Code/No-Code-Plattformen ermöglichen es internen Teams, Anwendungen schneller selbst zu entwickeln und anzupassen. Dafür fallen jedoch Kosten an anderen Stellen an.
Controlling und Monitoring
Eine kontinuierliche Überwachung der Beratungskosten und Leistungen ist entscheidend: Passen sie zu den vereinbarten Zielen und dem Budget? Zudem kommt es auf den Dialog mit Beratern an. Regelmäßiges Feedback zu ihrer Leistung und den Kosten kann dazu beitragen, Ineffizienzen zu beheben.
Mehr zum Thema? In unserem Blog beschreiben wir verschiedene Ansätze, um Berater-Tagessätze einzudämmen.
Wenn Sie Fragen zu den Tagessätzen für IT-Berater oder zu aktuellen Marktpreisen haben, können Sie mich jederzeit kontaktieren.