Methoden & Tools
Peer-to-Peer-IT-Benchmarks – was sie leisten können
von Xenia Dold
IT-Benchmarks gibt es in verschiedenen Formen – als Peer-to-Peer-Benchmark, als individueller IT-Benchmark und als Vendor-Benchmark. Wir erläutern die Unterschiede zu klassischen IT-Benchmark-Vergleichen und geben kurze Tipps für die optimale Entscheidung.
Drei Welten, drei Wirkungen: Hinter dem Label „IT-Benchmark“ verbergen sich gleich mehrere Werkzeuge: vom schnellen Markt-Check über den Vergleich in der Peer-Gruppe bis zum maßgeschneiderten Steuerungsinstrument für CIOs. Peer-to-Peer-Benchmarks, Vendor-Benchmarks und klassische, individuelle IT-Benchmarking-Projekte unterscheiden sich deutlich in Datenerfassung, Normierung, Aufwand und Passgenauigkeit. Die richtige Auswahl entscheidet darüber, ob IT-Verantwortliche nur ein Stimmungsbild bekommen oder präzise Antworten auf ihre strategischen IT-Fragen.
Die Gefahr: Wer sich als CIO auf einfach zugängliche Marktstudien oder den schnellen Tipp von Peer zu Peer verlässt („Golfplatz-Kennzahlen“), bekommt oft einen bunten Mix aus Äpfeln und Birnen und übersieht dabei die echten Kostensenker oder Leistungs-Booster. Wer IT-Kosten, Servicequalität und KPIs wirklich belastbar prüfen will, muss die drei Benchmark-Welten verstehen: Peer-basierte Konsortial-Benchmarks, maßgeschneiderte individuelle Analysen sowie marktorientierte Vendor-Studien, die Lieferanten auf den Prüfstand stellen.
Die drei Typen des IT-Benchmarkings im Überblick
1. Wie ein Peer-to-Peer-Benchmark abläuft
Ein Peer-to-Peer-Benchmark (auch Konsortial-Benchmark genannt) bündelt die Kraft mehrerer Unternehmen meist einer Branche oder Größenklasse, die ihre IT-Kennzahlen und Prozesse in einem gemeinsamen Rahmen vergleichen – begleitet von einem neutralen Moderator, einheitlichen Definitionen, Fragebögen, Workshops und Best-Practice-Austausch. Der Mehrwert entsteht durch den direkten Dialog von „Gleichgestellten“, der jedoch mit hohem Abstimmungsaufwand bezahlt wird. Zudem endet die Übung schnell im Äpfel-Birnen-Vergleich, wenn Leistungsinhalte, Volumina, Qualitäten und Komplexitäten nicht konsequent normiert werden.
2. Individueller IT-Benchmark – der Maßanzug für CIOs
Beim individuellen IT-Benchmark steht nicht der Durchschnitt, sondern die Präzision im Mittelpunkt: Für das Unternehmen wird durch den Benchmark-Berater eine kuratierte Peer-Gruppe von rund acht ähnlichen Organisationen zusammengestellt. Der Vergleich richtet sich strikt nach den konkreten Fragestellungen, etwa zu IT-Services, Kostenstrukturen oder zur Governance, und nicht nach standardisierten Fragebögen. Leistungsinhalte, Qualitäten, Komplexitäten und Volumina werden systematisch erfasst und methodisch auf das Unternehmen normalisiert, um aus heterogenen Rohdaten einen sauberen und sinnvollen Vergleich zu gewährleisten. Das Ergebnis sind belastbare, umsetzbare Entscheidungsgrundlagen mit präzisen Zielwerten über konkretes Optimierungspotenzial bis hin zu priorisierten Roadmap-Elementen.
3. Was kennzeichnet einen Vendor-Benchmark?
Vendor-Benchmarks von Analystenhäusern wie Gartner („Magic Quadrant“), PAC („RADAR“) oder Forrester („Wave“) ordnen IT-Lieferanten und Services einheitlich in zweidimensionale Räume ein – gestützt auf Umfragen, Experteninterviews und öffentliche sowie geheime Daten. Sie sind perfekt für IT-Verantwortliche, die schnell einen breiten Marktüberblick benötigen, etwa zu einer Anbieter- oder Technologielandschaft. Dabei werden keine eigenen Unternehmensspezifika berücksichtigt – eben schnell, kostengünstig und bewusst generisch.
Wann welcher Benchmark den meisten Nutzen bringt
In der folgenden Tabelle zeigen wir Ihnen, für welche Anforderungen sich die verschiedenen IT-Benchmark-Typen eignen:
| Zielgruppe / Bedarf | Empfohlenes Format | Warum passend |
| Unternehmen, die schnelle Marktgrobeinschätzung wollen | Vendor-Benchmark | Breite Vergleichsbasis, schnelle Orientierung über allgemeine Kosten- und Leistungsniveaus |
| Firmen mit Branchenspezifika und Wunsch nach Peer‑Gruppen‑Vergleich | Peer-to-Peer-Benchmark | Vergleich innerhalb einer mittelgroßen, branchennahen Gruppe; gute Basis für relative Positionierung |
| CIOs mit konkreten Steuerungsfragen zu einzelnen IT‑Services, Kostenstellen oder Governance‑Themen | Individueller Benchmark | Kleine, gezielt ausgewählte Peergroup; Berücksichtigung von Leistungsumfang, Qualität, Komplexität und Volumen für echte Äpfel‑mit‑Äpfel‑Vergleiche |
| Organisationen mit heterogenen Service‑Portfolios, die normierte, handlungsfähige Empfehlungen benötigen | Individueller Benchmark | Normierung verbleibender Unterschiede führt zu umsetzbaren Business Cases und Roadmaps |
| Unternehmen mit begrenztem Budget, die nur grobe Referenzwerte suchen | Vendor‑Benchmark | Kosteneffizient und schnell verfügbar, liefert ausreichend Input für erste Einschätzungen. |
| Mehrere Unternehmen innerhalb einer Branche, die gemeinsame KPIs entwickeln wollen | Peer-to-Peer-Benchmark | Fördert Standardisierung und Benchmarking‑Community; geeignet für KPI‑Entwicklung und regelmäßige Vergleiche. |
Zusammengefasst: Vendor-Benchmarks eignen sich für eine schnelle, kostengünstige Orientierung; Peer-to-Peer-Benchmarks sind nützlich, wenn Branchenkontext und gemeinsame KPIs im Vordergrund stehen; individuelle IT-Benchmarks sind die richtige Wahl, wenn es auf Präzision, normierte Vergleiche im Detail sowie direkt nutzbare Handlungsempfehlungen ankommt.
Konsortial-Benchmarks unterliegen jedoch einer entscheidenden Limitierung, da offene Buchvergleiche zwischen Wettbewerbern aufgrund des deutschen Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) nicht ohne Weiteres möglich sind. Dieses Gesetz soll illegale Preisabsprachen verhindern, weshalb das detaillierte Offenlegen von Daten, die unter Umständen auch unter NDA stehen, heikel ist. Wettbewerber können sich nicht einfach zusammensetzen und Open-Book-Vergleiche durchführen, da dies schnell als Preisabsprache gewertet werden könnte.
Auch in anderen Ländern und Rechtsordnungen gilt der Austausch von strategisch sensiblen Informationen (wie aktuellen Preisen, Rabatten oder Kostenstrukturen) als potenziell wettbewerbswidrig. Im Gegensatz dazu bieten klassische, individuelle IT-Benchmarks den Vorteil, dass durch die Verwendung vollständig anonymisierter Peer-Werte ein präziser Marktvergleich möglich ist, ohne dabei rechtliche Risiken hinsichtlich des Wettbewerbsrechts oder Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) einzugehen.
Datenerfassung und Normierung im IT-Benchmarking
Datenerfassung und Normierung sind unsichtbare Hebel, die über den Erfolg eines IT-Benchmark-Projekts entscheiden. Bereits kleine Unterschiede in Definitionen, Leistungsinhalten oder Volumina reichen, um aus einem sinnvollen Vergleich ein Äpfel-Birnen-Szenario zu machen. Vendor-, Konsortial- und Individual-Benchmarks setzen hier unterschiedliche Akzente: vom stark standardisierten Marktblick über gemeinschaftlich definierte Peer-KPIs bis hin zum fein justierten Maßanzug. Hierbei werden Leistungsprofile mit ihren wesentlichen Dimensionen Inhalt, Menge, Qualität und Komplexität über Auf- und Abschläge in Relation zu Referenzleistungen gestellt. Dieser Prozess der Normierung wird maßgeblich von der Erfahrung der Berater geprägt.
Ein Beispiel bildet der Vergleich der „Kosten pro Kilowattstunde“. Auf den ersten Blick ist die Leistung 1:1 vergleichbar, da die Einheit „Preis pro kWh“ genormt ist. Aber auch hier ist das Kleingedruckte zu beachten: Sind die Kosten des Zählers berücksichtigt? Wie ist die Vertragslaufzeit geregelt? Gibt es Preisanpassungsklauseln, Rabatte oder Bonuszahlungen? Daher muss eine Vielzahl preisbeeinflussender Faktoren für einen aussagekräftigen und fairen Vergleich berücksichtigt werden. Denn per se sind die meisten Angebote am Markt nicht 1:1 vergleichbar. Wer diese Mechanik versteht, erkennt schnell, warum oberflächlich ähnliche Benchmark-Ergebnisse völlig verschiedene Aussagekraft für konkrete IT-Entscheidungen haben können.
Wenn Sie Fragen zur Normierung oder zum IT-Benchmarking haben, können Sie sich gerne an mich wenden.
Xenia Dold
Nachdem sich Xenia Dold in der Vergangenheit der Analyse von Nutzerverhalten im E-Commerce gewidmet hat, stehen heute reale Kunden im Mittelpunkt. Das oberste Ziel ist, sie bei ihren IT-Herausforderungen effektiv zu unterstützen und individuelle Lösungsvorschläge zu erarbeiten.